Der Froehlichste #bloggerfuerfluechtlinge




      Ein Land mit nur einer Sprache und einer Sitte ist schwach und gebrechlich.
      Darum ehre die Fremden und hole sie ins Land.


Die Konflikte in der Welt explodieren geradezu. 
Viele Menschen flüchten vor Krieg, Folter und Verfolgung und wir wollen sie Willkommen heißen.

Abdullah kommt aus Syrien. Allein. 15 Jahre alt. Er ist froh, dass er gesund hier angekommen ist.
Er macht sich Sorgen um seine Familie in Syrien. 
Ich heiße ihn Willkommen. Wir sprechen englisch und sind freundlich zueinander. Er lächelt.
Die Impfungen, die ihn vor Krankheiten schützen sollen, lässt er tapfer über sich ergehen.
Er hat Schlimmeres erlebt. Größeres Leid. 
Das macht mich traurig.

Farshad aus Afganistan, 14 Jahre alt, allein. Seine Familie ist tot. Er ist schon 3 Monate in Deutschland bis ich ihn kennen lerne. Er ist sehr höflich und zuvorkommend. 
Spricht deutsch mit mir. 
Er übt fleißig zusätzlich mit seinem Betreuer, damit er noch schneller lernt.
Er hat Angst, denn er muss ins Krankenhaus eingewiesen werden, weil er Splitter von Granaten im Bein hat, die operiert werden müssen.
Einige Splitter wurden bereits entfernt. Jahrelang wird immer wieder ein
Splitter entfernt werden müssen aus seinem Bein.
 Ich spreche ihm Mut zu. Es sei nicht schlimm.
Ich bin mir gewiss er hat so einiges erlebt, dieser 14 jährige Junge.
Ich muss an meine Kinder denken und wie gut sie es zum Glück haben.
Farshad heißt übrigens der Fröhlichste. 

Das waren zwei der unbegleiteten Jugendlichen Flüchtlingen, die
ich bisher kennen lernen durfte.


Meine Freundin Julia, die beruflich mit den gerade jetzt angekommenen Flüchtlingen zu tun hat, sagt Folgendes dazu:

Es sind viele offene Fragen, die in der Flüchtlings- und Asylproblematik zu erörtern sind, das will ich nicht abstreiten, doch die Antwort können keine Hetztriaden, Neiddebatten und gewalttätige Übergriffe auf Menschen und Gebäude sein.
Zu uns kommen keine Menschen, die unsern Sozialstaat und unsere florierende Wirtschaft ausnutzen wollen. Es sind Menschen (!), die Schutz vor Verfolgung, Tod und Elend suchen. Menschen (!), die dankbar um jede Hilfe sind und denen es bisweilen sichtlich unangenehm ist, diese anzunehmen. 

 Ich war die letzten Tage mit einem Jungen, ca. 16 Jahre - ein unbegleiteter Flüchtling - einkaufen. Er hat sich sichtlich geschämt, sich bei einem Billigladen eine Hose für 9,50 Euro auszusuchen. In seinen Augen und seinen Bewegungen liegt eine tiefe Traurigkeit, in der sich der Abschied von der Familie, Freunden und Heimat und der Flucht spiegelt. Die Tatsache, dass er auf Hilfe anderer angewiesen ist, verstärkt diese Traurigkeit.
Die (jungen) Männer, die zu uns kommen, sind keine Feiglinge, die ihre Kinder im Stich lassen. Sie sind entweder Familienväter oder die ältesten Söhne einer Familie. Sie tragen eine Verantwortung, die sie beinahe zusammenbrechen lässt. Denn sie wissen, in welchem Elend und Gefahr ihre Frauen, Kinder, Mütter und Geschwister leben müssen. Sie leiden darunter, dass sie ihre Pflicht als Familienoberhaupt oder als ältester Sohn nicht erfüllen können.
In vielen Fällen flüchteten sie davor, in Rebellenmilizen oder Regierungstruppen zu landen, oder als Selbstmordattentäter rekrutiert zu werden. Oft wurden sie aber auch weggeschickt, um irgendwo Arbeit zu finden, um mit dem Verdienst die Familie in der Heimat versorgen zu können.
Einer der Jungs im Alter von 14 bis 17 Jahren, mit denen ich seit Wochen Kontakt habe, sollte sich als Selbstmordattentäter töten. Andere sollten als Kämpfer eingesetzt werden. Einer wurde auf der Straße von Scharfschützen angeschossen. Seine Wunde konnte aufgrund der nicht mehr vorhandenen medizinischen Versorgung nicht ausreichend behandelt werden und er wird lebenslang darunter leiden. Einem wurde seine Schule weggesprengt, ein anderer verlor den Laden seines Großvaters, den er einmal hätte übernehmen sollen.


Ich weiß, dass sind die »guten« Flüchtlinge. Die »bösen« sind die Wirtschaftsflüchtlinge. 
Aber beantwortet die Frage, warum kommen sie, bitte einmal ehrlich. Sie wollen etwas von dem Kuchen abhaben, an dem sich die Industriestaaten fettfressen. 
Die Industriestaaten betreiben seit Jahrhunderten eine (Wirtschafts)Politik, die dazuführen musste, dass Menschen ihre Heimat verlassen. Durch Subventionen werden landwirtschaftliche Produkte so billig, dass sie die Preise in Afrika drücken und Bauern zur Aufgabe zwingen. Ölkonzerne vergiften durch ihre Produktion Flüsse und Meere, wodurch Fischer zur Aufgabe gezwungen werden. Nestlé plant Trinkwasser zu privatisieren. Markenklamotten müssen unter Verhältnissen genäht werden, die jedem Artikel von Arbeitsrecht widersprechen. Westliche Staaten unterstützen mit Waffen und Geldern totalitäre Regime und Korruption. ... Ich könnte die Liste ellenlang weiterführen.
Und nicht zu vergessen: Wie verhält sich denn der gemeine deutsche Tourist, bleich und vollgefressen, im Ausland? Nicht so, dass man glauben könnte, jeder in unserem Land ist ein Krösus?
 Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn man die pure Dankbarkeit zu spüren bekommt. Die Arbeit mit und für die Flüchtlinge ist anstrengend und ich bin so ziemlich jeden Abend fix und fertig, aber dennoch freute ich mich auf jeden folgenden Tag und freue mich auf die nächsten. Es ist so schön zu hören, wie die Deutschkenntnisse besser werden, zu sehen, wie sich Menschen freuen können, die Entwicklung vom schüchternen zu einem selbstbewussten Etwas zu erleben, zu spüren, dass Vertrauen aufgebaut wird, gemeinsam zu lachen und Musik zu hören.

Das war ein Auszug dessen was Julia auf Facebook geschrieben hat. Danke Julia das ich Dich auch hier veröffentlichen darf.

Sarah und ich haben gestern Kleidung etc. aussortiert weil mich in der Praxis ein Hilferuf erreicht hatte.


Also los die Tüten in den Kofferraum meines Autos gepackt und losgefahren.
 Ist nicht weit fast in der Nachbarschaft, die ehemaligen U.S Kasernen.
Wir haben die Kleidung direkt dort abgegeben. Nicht beim Wachmann, nein der winkte uns weiter zum einfahren. Vorbei an kleinen Kindern die uns mit großen Augen anschauten.
Vor Ort die Tüten ausgeladen. Viele dankbare Blicke erhalten. Es gab ein herzliches Dankeschön und Hände schütteln.

Wir haben uns wieder auf den Weg gemacht, in unserem Mercedes, wenn auch ein altes Modell, gestylt zum Eis essen gehen. 
Es kam uns seltsam vor.
 Unsere Probleme waren plötzlich nicht mehr...
existent ...

Ich wünsche euch einen wunderschönen Sonntag, 
herzlichst Tina

Infos mit Spendenmöglichkeit zu Bloggerfuerfluechtlinge gibt es hier


Helft, spendet, bloggt, zeigt Flüchtlingen das sie willkommen sind.

Da ich in Mannheim wohne Spenden für Flüchtlinge in Mannheim hier


Kommentare

  1. danke tina!
    wir sind letzte nacht auf unserem heimweg von dresden durch HEIDENAU gefahren - es war gespenstisch. überall polizei, 2 wasserwerfer standen in der nähe der "unterkunft" - die halle eines pleite gegangenen baumarkts. kleine grüppchen von männern, in typischer hooligantracht, verschwanden im dunkeln....
    und dann lese ich in der zeitung dass frauen angela merkel als schlampe und fo... beschimpft haben als sie da war vor ein paar tagen. am hellerlichten tag!
    ich schäme mich für meine mitbürger. wo kommt nur all der hass her? kann es sein dass diese pegida-anhänger, mitläufer und hooligans sich einfach nur selbst hassen? irgendwo in ihrem leben ein dunkles loch klafft wofür die verantwortung zu übernehmen sie sich weigern? die menschheit fliegt zum mars, selbstfahrende autos sind nicht mehr fern, wir können in den genen lesen wie in einem buch - aber so viele menschen hocken immer noch im neanderthal!
    wegen mir können soviele leute nach deutschland kommen bis sie die hälfte der bevölkerung ausmachen - dann halten die honks und möchtegern-patrioten vll. endlich die klappe - und wenn auch einfach nur weil sie schiss haben!
    xxxxx

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    1. Ach Beate Du bist mir so sympatisch. Neandertal genau das ist das Problem.... Leider

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  2. Das habt ihr gut gemacht, Tina!

    Direkthilfe vor Ort ist eine prima Sache.

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    1. hab ich auch gerade gedacht . Ich denke mehr Worte braucht es nicht
      LG heidi

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    2. Danke euch. Da wird noch mehr kommen. Julia sagt in ihrem Landkreis musste das Sachspenden vorbei bringen vorerst gestoppt werden weil es so viel war :)

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  3. Toller Beitrag ,Danke für das erzählen deiner Eindrücke!

    Liebe Grüße <3

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  4. Einfach wunderbar! Direkter Einsatz und Kontakt gibt einem so viel zurück gell.

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  5. Es ist erschreckend zu sehen, wie hilflos kleine Kinder in diesen sogenannten Zeltstädten leben . Ich hoffe nur, dass man eine Lösung findet für all diese Menschen, denn der klate Winter steht vor der Tür. LG Romy

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  6. Eine Zeltstadt gibt es bei uns nicht. Es sind leerstehende Kasernen, die hoffentlich alles nötige haben und minderjährige unbegleitete Flüchtlinge leben im Kinderheim.

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  7. Ach liebe Tina,
    Ihr seid einfach gute Menschen. Danke für diesen Post und meine Hochachtung vor Deiner Freundin Julia. Hoffentlich wird dieser Post hier 1.000.000 und noch öfter verlinkt. Und Ihr hattet Euch dann das Eis mehr als verdient und Ihr habt es Euch letztendlich doch schmecken lassen.
    Alles Liebe von Rena
    www.dressedwithsoul.com

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    1. Ach Rena Du bist süß. Ich glaube meine Leser sind alles gute Menschen :)

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  8. Erschreckend in was für einer not diese menschen sind. ich habe gerade im tv ein bericht über flüchtlinge in berlin gesehen. auf der strasse müssen sie übernachten. und überall stehen ferienhäuser, wohnungen, kirchen leer. wie kann das nur sein, dass wir sooooo gastfreundlich sind. sogar kinder und schwangere frauen mutet man zu, im freien zu schlafen. und jetzt wird es noch regnerisch. wie soll das den gehen. warum besetzen diese leute nicht einfach kirchen. warum öffnen die priester ihre gotteshäuser nicht für die armen flüchtlinge. sie wollen ja nur in frieden leben. das sollte ein recht für alle sein. politik bringt da gar nichts. ich glaube da helfen nur bürgerinitiativen. mensch--wir sind doch alle unter dem gleichen himmel - und haben die gleichen rechte. hoffentlich tut sich endlich was. herzlichst adi u. mozart

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